Das Brauchtum

001Der Mai gilt gemeinhin als der schönste Monat des Jahres. Die Tage sind lang, die Bäume und Blumen zeigen ihre Pracht, der Sommer hat Einzug erhalten und irgendwie fühlen sich alle besser. Der Maibaum, ein Symbol der Fruchtbarkeit, ein Zeichen für den Aufbruch der Natur und des Lebens, passt da natürlich hervorragend in die Zeit.

Ein am besten von kerzengeradem Wuchs – als Symbol der Kraft -, blau-weiß – wie der bayerische Himmel - bemalter, meist mehr als 20 Meter hoher Baum, auf der Spitze einen Wetterhahn, etwas weiter unten einen Kranz sowie die weißblaue Fahne (weht nur im Mai) und auf beiden Seiten die Zunftzeichen angebracht – das ist der Maibaum. Die Taferl, meist von einem Künstler bemalt, stellen Szenen aus dem Vereinsleben, handwerklichen, kaufmännischen und bäuerlichen Alltag dar. Am aktuellen Riemer Maibaum sind es 20 Schilder (siehe Taferl).

Ein Kranz versinnbildlicht das weibliche Element, der Stamm das männliche. Die weiß-blaue Bemalung des Stamms sollte von links unten nach rechts oben verlaufen – in Anlehnung an die bayerische Raute. Nach ganz altem Brauch genügte es, den Baum ohne Bemalung und ohne Schilder, lediglich mit einer Zweiggirlande umwunden, aufzustellen. Das hat sich im Laufe der Jahre jedoch geändert – mittlerweile werden keine Kosten und Mühen gescheut, den Maibaum möglichst schön zu gestalten.

Traditionell wird der Maibaum von Hand, durch Muskelkraft und Holzstangen aufgestellt. Dies ist jedoch nur noch bei kleineren Bäumen üblich. Größere Bäume, wie auch der mehr als drei Tonnen schwere Riemer Maibaum, werden vor allem aus Sicherheitsgründen nicht mehr von Hand, sondern mit Hilfe eines Krans der Berufsfeuerwehr München aufgestellt.

Die Tradition des Maibaums reicht bis in die Zeit der Kelten und Germanen zurück. Kelten feierten am 1. Mai den Sommeranfang und stellten dafür Bäume auf, die sie mit Bändern und Kränzen schmückten. Die Germanen verehrten Bäume wie kaum ein anderes Volk; sie glaubten, in jedem Baum wohne eine eigene Seele. Ein grüner Birkenstamm wurde aufgestellt, um die Felder fruchtbarer zu machen und an jedem 1. Mai stellten die jungen Männer ihrem Mädchen ein mit Bändern geschmücktes, kleines Bäumchen, ein Maien, vor die Tür. Den Maibaum, so wie wir ihn heute kennen, gab es vermutlich zum ersten Mal im 16./17. Jahrhundert.

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Eine besondere Bedeutung hat das Bewachen des Baumes. Auf jeden Fall gilt es zu verhindern, dass die Vereine aus den angrenzenden Gemeinden den Baum klauen. Werden die Maibaumdiebe noch innerhalb der Ortsgrenze gestellt (dazu reicht es, eine Hand auf den Baum zu legen) und entdeckt, muss der Baum zurückgegeben werden – ohne Gegenleistung. Wird der Baum hinter die Ortsgrenze gebracht, haben die Diebe Anspruch auf ausreichend Freibier und Brotzeit. Um all den Aufwand und natürlich auch die negative Presse zu vermeiden, werden Maibaumwachen eingeteilt. Der Baum sollte speziell nachts nie unbewacht sein. Für die Wachen steht meist ein Container oder Bauwagen bereit – mit reichlich Essen, Trinken und Schafkopfkarten, damit der Spaß auch nicht zu kurz kommt.

 

Stehlen des Baumes

Hier die wichtigsten Regeln für Maibaumdiebe, die unbedingt beachtet werden sollten:

  1. Nur heimlich und unentdeckt darf der Baum geklaut werden - je raffinierter die List, umso besser.
  2. Frevelhaft ist es, den Baum zu zersägen oder zu beschädigen.
  3. Werden die Räuber innerhalb der Gemeindegrenze beim Abtransport überrascht, müssen sie ihre Beute (kampflos) zurückgeben.
  4. Aufgestellte Bäume dürfen nicht mehr gestohlen werden, ebenso wenig Bäume, die noch im Wald lagern (das wäre Holzdiebstahl).
  5. Nur der Baum und nicht die Tafeln oder Kränze sind Diebesgut.
  6. Nach Versöhnung und Auslösung ist wieder Friede.
  7. Das Brauchtum des Maibaum-Klauens soll so gehandhabt werden, dass Juristen unnötig sind.

Nach erfolgter Aktion melden sich die Diebe beim "bestohlenen" Verein, um die Auslöse auszuhandeln. Dabei darf es sich nicht um Geld handeln, sondern lediglich um Freibier und Brotzeit - üblich sind etwa 100 bis 200 Maß Bier und etwa 50 bis 100 Portionen Würstl, Leberkäs oder Braten.

 

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Mittelpunkt des Ortes

Der Lagerplatz des Maibaums ist während der Zeit zwischen Anfang April und Aufstellung, so scheint es, der beliebteste Anlaufpunkt des Ortes. Hier wird der Baum entrindet, entastet, gewaschen, bemalt und die Schilder werden angebracht. Sonntags trifft man sich zum Weißwurstfrühstück und auch der Stammtisch hat hier vorübergehend Quartier bezogen. Auch die Vorbereitungen für die Maitanzveranstaltung erfordern viel Aufwand, und Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn – auch dafür steht der Maibaum.